dadaBLUES JOE

Joachim “JOE” Harmut, über 45 Jahre Blues und Kunst
JOE macht seit 1961 Blues- und Rockmusik. Der Wahldüsseldorfer stammt aus Essen-Kettwig und gehört zu den Urgesteinen des Blues an Rhein und Ruhr.
Joe spielte in den 60er Jahren 200 Gigs im Jahr in Clubs, Bars, Tanzlokalen.
In den 70er Jahren macht JOE Elektronik-Art-Rock in Düsseldorf, Köln (mit Musikern von "NEU!", "KRAFTWERK" u.a.) und produziert in seinem Atelier Druckgraphiken, Künstlerbücher.
Ausstellungen im In- und Ausland: Kunsthallen, Galerien, Museen, Büchereien, int. Kunst- und Buchmessen. Veröffentlichungen in Büchern, Kunstkatalogen, Literatur-Jahresschriften.

1972: Art-Rock, Elektronik-Rock mit seiner Band "SPHÄRENSÄGE"
Auftritte: Kunstmarkt Köln, Altstadt Düsseldorf, Ruhrgebiet u.a.
Seit 1995: experimenteller dadaBLUES
JOE: Gesang, Gitarre, Bass, Drums, Ukulele, Bluesharp, Kazoo, Keyboard, Drumcomputer, Sampler, Tongenerator, Ringmodulator, Netzbrummen, Natursounds, Hammer, Säge u.a.
Recording: LoFi-Diktiergerät, Mono-Kassettenrecorder, Digitalrecorder,
4 Spur Recorder im Wohnzimmer, Atelier, Proberaum, Studio und Live.
Fünf Nr.1 Hits 2001-2003 in den mp3 Jazz/Rock Charts, über 30.000 downloads CD: total crazy “this trash is music”
CD: dadaBLUES JOE
CD: Cringer (bei Houte Areal) 
Seit 2003 “Joe Blues Band” back to the Roots. Blues, Jazz, Rock and Roll

 

dadaBLUES JOE
Experimentelle Musik, DadA, dadaBLUES
Ich habe von DadA kein Programm übernommen, sondern Fragmente heraus gezogen, z.B. Lärm-Musik, die im Dadaismus eine Rolle spielte oder die Form der Lautgedichte, wo sinnlose Unworte aufgesagt, herausgeschrieen und gesungen wurden. Ich zitiere nicht die phonetische Abstraktion der Lautgedichte, sondern benutze Einzelworte, Alltagssprache, die sich durch Wiederholungen ihren musikalischen Rhythmus holen.
Beispiel Songtext: DAS IST ALT - DAS IST NEU - DAS IST DA - DAS IST DADA Diese Worte, die auf wenige Buchstaben reduziert sind, haben ihre eigene Kraft und werden Teil meiner Musik. Ich benutze Silben nicht wie Skat-Gesang im Jazz, sondern möchte mindestens ein sinnvolles Wort transportieren, das ich dann wiederhole, wie im Titel:  "war is' wahr, it is war, ist wahr".

“LoFi-Music“ gehört ebenfalls zu meinem dadaBLUES Konzept. Ich arbeite unter anderem mit Geräten, die nur „LoFi“ Aufnahmen ermöglichen oder Klänge erzeugen die „HiFi“ nicht realisierbar wären.
Außerdem ist „LoFi-Music“ eine Hommage an die Avantgarde der mechanischen Tonspeicherung, elektronischen Musik und des Radio. Da gehörten Soundschwankungen zum Alltag. Ich habe in den 50er/60er Jahren Elvis, Stockhausen, John Cage, Blues, Rock, Skiffle in „Mono“ niemals „HiFi“ gehört.

Improvisation und Komposition
Ich spiele auf der Gitarre eine Bass- oder Rhythmusfigur, zeichne diese per Fußschalter mit dem „Echo-Loop-Sampler“ auf und lasse diese „Loop“ als Background laufen. Anschließend improvisiere ich melodisch darüber und schichte die Sounds und Noten zu "Clustern". Diese Technik ist für mich ein kompositorisches Hilfsmittel, um Songs zu entwickeln.
Beispielsongs: Drippin’ Note,  Runnin’ Blues.  
Wenn ich dazu Gesang improvisiere, schreibe ich die Worte hinterher auf, mache daraus einen Text, entwickle den Song oder lasse die entstandene Musik für sich stehen.
Ich mache auch Sessions mit befreundeten Musikern, die Texte und Songs komponiere ich jedoch allein. dadaBLUES ist Kunstmusik, die sich mit meinen Bildern zu "Multi-Media" verbindet.
Ich mache Multi-Media und Art-Rock seit 1971.
DadA lebt – DadA blüht!

Hörproben >> mp3

dadaBLUES JOE
Joachim „Joe“ Harmut, Düsseldorf, 1996

CD Review >> Rocktimes

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Artikel über dadaBLUES JOE
Gerald Fiebig,  Magazin “this trash is music” 2001           
.gebrauchtemusic.de

Wer kann den Blues retten?
Vielleicht Joachim Harmut. Er ist Maler und Grafiker und macht außerdem eine Musik, die er Dada-Blues nennt. dadaBLUES JOE , so der Name, unter dem Harmut auftritt und im Internet bzw. auf CD veröffentlicht, macht beides: seine eigenen Geschichten erzählen und die musikalischen Formen des Genres so bearbeiten, dass sie seine Geschichten transportieren. Das Ergebnis ist ein Blues, der lebt und mit der eingangs beschriebenen Spielart so viel zu tun hat wie ein Lautgedicht mit einem Telefonbuch.
Apropos Lautgedicht: Wozu denn nun Dada? Das ist doch auch eine Kunstströmung, die seit ihrer Begründung in diversen Wiederbelebungsversuchen schon mehrmals im peinlichsten Klischee gelandet ist.  Das stimmt, macht aber nichts, denn Harmut übernimmt von Dada keine Formen, sondern nur ein Programm: Alltagssprache auf minimale Fragmente reduzieren, Worthülsen in Frage und hohles Pathos bloßstellen und goldene Kälber schlachten. Aber er tut all das auf seine Art.

Blues Explosion
Er erzählt kleine Geschichten mit wenigen Worten, die keine Gefahr laufen, mit dem Gewicht angemaßter Erfahrung überfrachtet zu werden. Geschichten nicht aus irgendwelchen Baumwollfeldern oder Brownstone-Ghettos, sondern z.B., völlig instrumental, vom ruhrschnellweg (Harmut ist 1948 in Kettwig/Ruhr geboren und wohnt in Düsseldorf), oder, das Blues-Klischee ironisch aufgreifend, vom L.A. Blues: "i've never lived in memphis / i've never been to l.a. / i met my girl in paris / and now i'm on my way // i sing the blues in berlin / i play rock'n'roll in cologne / i have a girlfriend in munich / and now i feel at home".
Um die intensive Atmosphäre zu erzeugen, die seine nüchternen oder verspielten Texte immer gleich ironisch zu brechen scheinen, weitet dadaBLUES JOE das Klangspektrum der klassischen Blues-Klangerzeuger Gitarre, Mundharmonika und Stimme weit über den Rahmen des Genreüblichen aus - mit Drumcomputer, Gitarreneffekten, Sampler und einer Kombination diverser Aufnahmemedien (darunter laut Text-Booklet ein "Cassetten-Diktiergerät"!) werden in den besten Momenten der CD Total Crazy dichte Klangtexturen erzeugt, in denen die altbekannten Gitarrensoli aufgeraut statt gefällig klingen, wo die Stimme zwischen Sphärenrauschen und eher perkussiven Gitarrenklängen ihren Weg sucht und man beim Zuhören mit auf die Suche gehen kann.
Das Highlight des Albums ist "elvis im radio" - hier gelingt dadaBLUES JOE das buchstäblich Unerhörte: durch die Einbettung in ein neues Klangumfeld hört man ein Fender-Stratocaster-Bluesrockgitarrensolo plötzlich, als wäre es etwas ganz Neues.

Blues (R)Evolution
Damit erlaubt das Stück der Hörerin, jenes Erlebnis, jenen (befreienden?) Schock des Neuen im Kleinen selbst zu erleben, von dem es handelt: "als ich ein jung von sieben war / mit blauen augen und blondem haar / da hört' ich den ELVIS im radio".
Viele Songs der Popgeschichte erzählen davon, wie das Leben des späteren Erzählers durch die erste Begegnung mit Rock'n'Roll verändert wurde - dieser macht es in gewisser Weise fühlbar. Und das würde ihm mit weitaus mehr Wörtern auch nicht besser gelingen als durch dieses Soundgeflecht. Harmut geht souverän mit den künstlerischen Werkzeugen des Blues-Genres um, in dem er sich schon seit 1964 aktiv betätigt hatte ("Gründungsmitglied einer Twist und Rock-Band. Auftritte 4x pro Woche, 200 Gigs pro Jahr."): um seine eigene Geschichte zu erzählen, hat er die Rhetorik verknappt, damit sie dem Sound mehr Raum lässt. Denn die Geschichte, auf die die CD und das Booklet verweisen, ist die eines Lebens, das seit jenen frühen Begegnungen, sei's mit Elvis oder eben mit der Bluesmusik, nicht zuletzt vom Umgang mit Sound, von der Suche nach neuen Klängen geprägt ist
(so entwickelte Joachim Harmut in den 60ern eigene elektronische Instrumente, die später im Rahmen einer experimentellen Rockband eingesetzt wurden - ein anderer musikalischer Ansatz, der im DadaBlues in sehr produktive Spannung mit den Techniken des Bluesgitarristen Harmut tritt und sich gerade in den besten Stücken deutlich niederschlägt).

So gesehen, handelt DadaBlues von dem, was jedem (Pop-)Musikfan an einem bestimmten Punkt seines Lebens immer wieder passiert (passiert ist? passieren wird? passieren sollte?) - ob er sich nun im Speziellen für Blues interessiert oder nicht.
Mehr lässt sich darüber auf Joachim Harmuts Website  .dadablues.de  herausfinden, wo auch Total Crazy und andere CDs bestellt werden können. Die Bilder in diesem Beitrag stammen alle von dieser Site, die auch Infos zu Harmuts Biografie und seinen anderen künstlerischen Aktivitäten enthät. Einzelne Stücke von dadaBLUES JOE (so die Schreibung, unter der man seine Songs auf  .mp3.de findet) kann man auf  .mp3.de hören.

Mehr Kommentare und Interview >> Hier

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